Wie üblich war unsere Nacht sehr früh zu Ende, aber bis sechs Uhr konnten wir uns ganz gut beschäftigen: Fototasche umpacken, Bilder sichern etc. Dann gab es zum Glück Frühstück. Dieses war nach amerikanischen Standards gut, sogar etwas besser, kann sich aber nicht mit dem Best Western Arabella Park in München messen. Immerhin – und das freut uns immer sehr und wird auch bei der Bewertung lobend hervorgehoben werden – gab und gibt es dort Porzellanteller und Metallbesteck. Und zur Krönung schwarze Stoffservietten. Grenzt schon ganz nah an edel.
Gut gesättigt traten wir dann unseren ersten Trip zum nahegelegenen Walmart an. Gewisse Dinge bekommt man am preiswertesten dort, einen Grundvorrat brauchen wir halt. Etwas über 200 USD ärmer verließen wir den Shop, unser Einkaufswagen sah dann so aus. Preis-Leistungsverhältnis schon noch von deutschen Einkäufen verschieden, aber man nähert sich in unserer Heimat an.

Und dann kam der Knaller. Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir einen echt tollen Wagen ergattert haben. Übrigens ausschließlich dadurch, dass die beste Wagenmieterin von allen bei Hertz bei der Frage nach der Farbe „silber oder rot“ ganz laut ROT gerufen hatte. So einfach geht das.
Abgesehen davon, dass der Wagen eine Vollausstattung hat, gibt es noch ein paar nette Extras, die ich nicht unerwähnt lassen möchte: Da ist zum einen die Ladeflächenabdeckung. Die hatten wir bei einem Miet-Truck erst einmal für einen Tag. Des weiteren fährt die Ladeklappe elektrisch runter und wieder rauf. Welch ein Komfort. Aber der absolute Knüller sind die sogenannten RAM-Boxen. Da hat sich die Firma Dodge etwas einfallen lassen, was bisher von keinem Pickup-Hersteller kopiert wurde: Auf jeder Seite der Ladefläche links und rechts befindet sich ein von außen zugänglicher, abschließbarer Stauraum, die RAM-Box. Und da passen wunderbar sehr viele nicht verderbliche Lebensmittel rein, die sonst auf der Rückbank regelmäßig für Unordnung sorgen. Nach dem ersten Einkauf waren die beiden Seitenfächer noch nicht mal voll.

Gebunkert haben wir, den Rest nehmen wir bei Costco auf dem Rückweg mit.
Unser Hotel liegt im Nordosten Denvers, in Aurora. Was liegt da näher, als uns ein Ziel zu suchen, welches im Südwesten liegt. Dies ist der Mt Blue Sky. Wer früher schon in dieser Region unterwegs war kennt ihn vielleicht noch unter dem Namen Mt Evans. Im Jahr 2023 wurde er umbenannt.
John Evans war Gouverneur des Colorado-Territoriums und gleichzeitig Superintendent of Indian Affairs. Diese Doppelrolle gab ihm enorme Macht über die Indianerpolitik. Er spielte beim Sand Creek Massacre eine zentrale politische und moralische Rolle. Er plante den Angriff nicht direkt, aber seine Entscheidungen, Proklamationen und sein Verhalten schufen die Bedingungen, die das Massaker erst möglich machten. Außerdem verteidigte er den Angriff später und verweigerte jede Verantwortung – was zu seiner erzwungenen Rücktritt führte.
Der neue Name Blue Sky ehrt drei indigene Nationen Colorados:
- Arapaho – sie nennen sich selbst die „Blue Sky People“.
- Cheyenne – ihre wichtigste spirituelle Zeremonie ist die Blue Sky Ceremony.
- Ute – die älteste in Colorado lebende Nation, für die der „blaue Himmel“ und die Hochgebirge seit Jahrtausenden eine zentrale spirituelle Bedeutung haben.
Damit steht der Name Mount Blue Sky für die kulturelle und spirituelle Verbindung dieser Völker zu den Rocky Mountains – und ersetzt den früheren Namen Mount Evans, der mit dem Sand‑Creek‑Massaker verknüpft war.
Geologisch hat der Berg gewisse Ähnlichkeiten mit dem Pikes Peak, den wir in unserem letzen Urlaub ebenfalls mit dem Auto „bezwungen“ hatten. Letzterer hat eine Höhe von 14.115 Fuß, der Mt Blue Sky reckt sich 14.265 Fuß in die Höhe. Bekannter, weil ganzjährig befahrbar, ist der Pikes Peak, aber wir sind ja nicht auf Menschenmassen aus. Um nach oben auf den Mt Blue Sky zu kommen, muss man sich ein Ticket für einen Zeitslot buchen, aber da nicht mit Überfüllung zu rechnen war, machten wir das gleich nach unserem Einkauf im Walmart. 11 Uhr durften wir dort ankommen. Inklusive Fahrzeit blieb uns noch ca. eine halbe Stunde zum Vertrödeln, aber da hatte ich eine Idee. An der Abfahrt vom Interstate 70 auf die 103 nach Süden liegt das Städchen Idaho Springs, ein Kleinod im alten Western Charme.
Wir verließen die Autobahn und fanden direkt vor der Hauptstraße = Flaniermeile einen Parkplatz. Hier hat man etwas in meinen Augen etwas sehr Vernünftiges gemacht: Die Hauptstraße (Miners St) ist komplett für den Autoverkehr gesperrt. Statt dessen säumen Straßenkaffees die Ladenzeile.

Ich finde es immer sehr unromantisch, wenn vor diesen alten Steinhäusern Autos and Autos an Autos geparkt stehen. Früher mag das mit Pferden noch hübsch ausgesehen haben, nur latschte man da alle drei Schritte in Pferdeäpfel.

Jedenfalls flanierten wir gemütlich auf der einen Seite der Straße hin, warfen Blicke in die Geschäfte und Restaurationsbetriebe. Diese öffneten gerade oder die Besitzer rieben sich den Schlaf aus den Augen. Die frühen Vögel hatten schon geöffnet und versorgen die Touristen mit Frühstück und anderen essbaren Kostbarkeiten.

Vieles ist liebevoll angerichtet, so z.B. die Hundebadeanstalt

oder die Stiefelblumenvase.

Die Zeit war mittlerweile fortgeschritten und wir machten uns auf die Reifen, um im Frühtau zu Berge zu ziehen. Hier lernten wir unseren Wagen besser kennen. Vollgestopft mit Elektronik ermöglicht er auch das sogenannte „Hands free“ fahren. Auf der Autobahn könnte ich theoretisch die Hände vom Steuer nehmen und er schaukelt sich zwischen den Spurbegrenzungen recht sicher hin und her. Auf der kurvigen Landstraße trat er dann partiell in Streik. Er war der Meinung, dass er auf dieser Straße diesen Fahrmodus nicht verantworten könne. Ich möge doch gefälligst die Hände am Lenkrad lassen. Er würde sich ja Mühe geben, aber wer weiß…
Dann standen wir am Eintrittskiosk, mussten unseren Namen angeben und schwupps, waren wir „drin“. Reservierung hat geklappt. So langsam (aber absolut mühelos) schraubte sich unser Dicker in die Höhe, bis wir an der Mt Goliath Natural Area eine Pause einlegten.

In dem Gebäude fiel uns gleich ein verdrehter Baum auf. Wir sprachen den Volunteer darauf an, ob das ein Ancient Bristlecone Pine wäre. Damit hatten wir ein Fass des Wissens angestochen. Als er erfuhr, dass wir in Californien in der Nähe von Bishop auch diese Art von Bäumen gesehen hatten, ging der Vortrag los. Vielleicht auch deswegen, weil sich herausstellte, dass der gute Mann aus Baden Württemberg stammte und sich freute, mal wieder deutsch sprechen zu können.

Jedenfalls gab er uns noch einige Tipps auf den Weg nach oben mit. Weiter ging es. An verschiedenen Stellen färbten sich die Blätter gelb. Foilage beginnt.

Das letzte Ziel, das wir auf dieser Straße erreichen konnten, war der Summit Lake. Die Straße zum Summit selbst war leider hier gesperrt, so dass der Pikes Peak doch der höchste Punkt bleibt, den wir mit dem Auto erreichen konnten.

Aber man kann am See gut entlang gehen. Und hat hinter einem Sattel in der anderen Richtung einen schönen Blick auf die Chicago Lakes.

Von der anderen Seite macht der Summit Lake noch ein bisschen mehr her, weil sich der Mt Blue Sky schön im Wasser spiegelt.

Da konnte selbst ich nicht widerstehen und ließ mich ablichten.

Auf dem Rückweg begegneten uns diverse Murmeltiere, sie lagen zum Teil in der Sonne rum und wunderten sich über die Eindringlinge in ihr Habitat. Ich hatte zwar die dicke Berta in Deutschland gelassen, aber mit einem 200er Tele, einem Telekonverter und der sogenannten DX-Einstellung an der Kamera kam ich auch auf ein Aquivalent von 600mm. Das reichte für diese possierlichen Tierchen.

Wieder an der Goliath Natural Area gelang mir dann, einen Clark’s Nutcracker, einen Kiefernhäher abzulichten,

bis es dann kurvig und gemütlich nach unten ging. Auf dem Weg Richtung Denver kamen wir am Red Rock Park und Amphitheater vorbei, welches wir bei unserem letzten Besuch leider nur bei sehr schlechtem Wetter gesehen hatten. Imposant recken sich die roten Felsen in die Höhe und wir wären gerne dort herumspaziert.

Aber leider findet dort heute Abend ein Konzert des Duos Sofie Tucker statt und es blieb bei einigen wenigen Aufnahmen.
OK, eine konnte ich noch auf dem Parkplatz machen. Ob diese Leute zum Konzert gehören? Keine Ahnung.

Wir jedenfalls gaben den Costco in der Nähe unseres Hotels ins Navi ein und quälten uns durch den nachmittäglichen Berufsverkehr. Dort ein kurzer Imbiss, die RAM-Boxen noch ein wenig mehr füllen und ab ins Hotel. Nachdem wir seit drei Uhr wach sind, ist jetzt der Ofen aus.































